Hilfe kommt, Rohan!


Rohan war bis 16. März mein Coiffeur. Trotz Staatshilfe übersteht er die Liquiditätskrise nicht. Für ihn war die Ungewissheit über die Dauer der Corona Krise das Schlimmste. 



Die griechische Tragödie folgt einem logischen Lauf der Dinge. Bei der Corona-Krise ist es auch so: Die Aufträge brechen weg, die Verschuldung nimmt zu, Kapital muss her und nach Corona ist man wieder Existenzgründer. Dieser Kreislauf wird (zu) viele an die Grenze ihrer seelischen und finanziellen Möglichkeiten treiben. So geschehen auch mit meinem Coiffeur Rohan. Er hat sich letzten Herbst selbständig gemacht. In den Ausbau des Ladens hat er seine Ersparnisse und sein Pensionskassengeld investiert. Die Corona-Tragödie hat Rohan bis zum zweiten Akt ausgestanden. (Artikel  "Hilfe kommt Rohan")



Erster Akt: Die Aufträge brechen weg

Sämtliche Messen in Europa wurden abgesagt. Eine Hundertschaft an Zulieferanten hat nichts mehr zu tun. Ein Messestand, der heute nicht gebaut ist, wird nie mehr gebaut werden. Eine Kettenreaktion von Auftragsstorni wurde wenige Stunden nach dem Versammlungsverbot am 28. Februar losgetreten. Einen mittelgrossen Messestand unter Zeitdruck aufzustellen ist wie ein Haus innerhalb von einem Jahr zu bauen. Vom Zeichner über den Schreiner zum Lichtdesigner: Dutzende Berufe begegnen sich in der Messehalle. Wenn ein Jahr lang keine Stände mehr gebaut werden, müssen sich diese Berufsleute anderweitig orientieren. Eine ganze Branche löst sich auf.

Zweiter Akt: Die Verschuldung nimmt zu

Die Umsätze sind urplötzlich weggebrochen und die pendenten Aufträge wurden flächendeckend annulliert. Die Löhne der Angestellten werden zwar vom Staat übernommen. Doch es bleiben immer noch Forderungen wie der Unternehmerlohn, die Fixkosten für Miete, Leasings und die Lieferanten übrig. Zwei Monate Krise lassen sich überstehen. Danach wird in Branchen wie dem Messebau Personal entlassen. Wenn die KMU bei einem grossen Liegenschaftsbesitzer eingemietet ist, dann kann, ja muss dieser nach einem Monat unbezahlter Miete das Mietobjekt kündigen. Vielleicht lässt sich mit dem Vermieter eine Lösung finden. Doch je länger die Krise dauert, je mehr türmen sich die unbezahlten Rechnungsbelege.

Dritter Akt: Kapital muss her

Der Bund bietet für KMU finanzielle Unterstützungspakete. Per Notverordnung wird den KMU mit bürgschaftlich abgesicherten Bank-krediten unter die Arme gegriffen. Diese Kredite wirken wie eine Kopfwehtablette während vier Stunden bei einer dreitägigen Migräne. Mit einem Kredit hat man die Firma ein paar Monate über die Runden gebracht, doch aus der Krise kommt sie hoch verschuldet wieder heraus. Die Notkredite müssen später über den Cashflow bedient werden. Im Klartext: Eine KMU wird während vieler Jahre ihren Gewinn opfern. Zudem erhalten nur solche KMU das schnelle Geld von der Bank, welche auch in «normalen» Zeiten Geld bekommen. Tausende Betriebe begeben sich sehenden Auges in den Würgegriff der Banken.

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Die Situation ist ein Problem



Eine rechtliche Situation lässt sich benennen wie man will: Herausforderung, Prüfung, Chance. Am Ende des Tages geht es um ein Problem. Es soll möglichst bald gelöst sein. 



Ist Ihre Firma zu klein, um sich einen Vollzeit-Juristen leisten zu können? Oder zu gross, um sich keinen zu leisten?


Rechtzeitige rechtliche Klärungen können den Arbeitsfrieden mit Kunden, Lieferanten, Vertriebspartnern oder Mitarbeitern absichern. Während grössere Firmen ihre Rechtsabteilungen stetig ausbauen, müssen KMU auf teure externe Anwälte zurückgreifen. Die investitionsfreundliche Alternative ist meinJurist. Wir kümmern uns im zeitweisen oder (bezahlbaren) Dauer-Einsatz um die rechtlichen Aufgabenstellungen in Ihrer Firma. 



Sie kümmern sich um das Tagesgeschäft – Wir halten Ihnen den Rücken frei.


meinJurist KmG ist vorwiegend im Gesellschaftsrecht bei Kleinunternehmen tätig. Wir stehen Ihnen in allen rechtlichen Belangen im Zusammenhang mit der Entstehung und Beendigung, der Organisation und der Finanzierung zur Verfügung. Typische Interventionen ergeben sich in der Gründungsphase. Vor allem, wenn die Interessen mehrerer Teilhaber unter einen Hut mit einem Gesellschaftervertrag gebracht werden müssen. Akquisitionen, Fusionen oder Abspaltungen gehören ebenso zu unserem Handwerk wie Refinanzierungen im Falle einer Unterbilanz oder Unternehmenserweiterung. Immer mehr Marktstrategien müssen juristisch begleitet werden. Sei es im Zusammenhang mit Marken-, Franchise- oder Expansionsvorhaben.



Wir stehen Ihnen zur Verfügung:


bei Personalproblemen


Jede Interaktion zwischen Ihnen und Ihren Mitarbeitern beruht auf einem Vertrag. Wenn die Beziehung stabil ist, dann läuft alles wie vorgesehen. «Störungen» gehören zum Alltag. Mit der stetigen Zunahme der digitalen Medien werden aber immer mehr Geschäftsvorfälle per Facebook oder WhatsApp erledigt. Der Austausch von unvollständigen Informationen kann nur solange gut gehen, wie Sender und Empfänger einander vertrauen.



bei Vertragsstörungen


Wie soll man sich verhalten, wenn der beste Verkäufer die lukrativsten Kunden in eine andere Firma abzieht? Oder wie hoch muss die zwingend rechtlich vorgeschriebene Abgeltung eines Agenten sein, wenn er aus dem Vertragsverhältnis entlassen wird? Oder was gilt, wenn der Verkäufer seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen AGB der Offerte beilegt, der Käufer aber danach mit der Bestellung die seinigen als verbindlich erklärt?



bei Umstrukturierungen


Sie planen, ein Unternehmen zu gründen oder ein bestehendes Geschäft im Zuge eines Generationenwechsels zu übernehmen und gleich mehrere Teilhaber einbinden? Oder Sie möchten eine Fusion oder Umstrukturierung mit einer neuen Marken-, Franchise- oder Expansionsstrategie umsetzen?



Artikel  >> Hilfe Kommt Rohan.pdf 

Unternehmensberatung >> Flyer KMU Services.pdf 


Unser Leistungsangebot


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15.09.2020

Mit einem Bein im Gefängnis bei Konkurs?

Gemäss Finanz und Wirtschaft (FuW) vom 29.8.2020 wappnet sich der Kanton Zürich für eine Konkurswelle im Herbst. Der Unternehmer versucht bis zum Ende mit allen heiligen und unheiligen Mitteln seine Firma zu retten. Manchmal mit zu kreativen Methoden.

Gemäss FuW ist davon auszugehen, dass der Bankrotthammer in diesem Herbst gleich doppelt einschlägt: Einerseits bei Firmen, die bereits vor Corona keine «gesunde» Bilanz hatten, den Konkurs aber dank Krisenmassnahmen wie Fristerstreckungen, Covid-19-Kredit oder Mieterlass aufschieben konnten. Hinzu kommen Betriebe, die ohne eigenes Verschulden in eine missliche wirtschaftliche Lage geraten sind. Hierzu zählen Hotels, Restaurants, Reisebüros oder Messebauer. Juristen und Treuhänder kennen den ominösen Artikel 725 aus dem Obligationenrecht. Dieser schreibt vor, dass bei begründeter Besorgnis ein Zwischenabschluss zu erstellen ist. Zeigt dieser eine Überschuldung an, ist der Richter zu benachrichtigen.

Was kann noch gerettet werden?
Bevor der Richter benachrichtigt, sprich die Bilanz deponiert wird, versucht der Unternehmer verständlicherweise alles zu tun, was noch in seiner Machtsphäre liegt, um sein Lebenswerk zu retten. Spätestens beim Einvernahmeprotokoll beim Konkursamt merkt er, dass er sich mit einem Bein im Gefängnis sehen könnte, wenn meist in gutem Glauben, strafbewährte Handlungen vorgenommen werden. Im Folgenden wollen wir einige wenige ausgewählte Tatbestände, deren Merkmale und Folgen anschauen – und dazu auffordern, diese zu unterlassen:

Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung
Vielfach wird vor dem Konkurs versucht, das Geschäftsauto oder Teile des Lagers wegzuschaffen. Das Strafgesetzbuch sagt hier: Der Schuldner, der zum Schaden der Gläubiger sein Vermögen vermindert, indem er Vermögenswerte beschädigt, zerstört, entwertet oder unbrauchbar macht, Vermögenswerte unentgeltlich oder gegen eine Leistung mit offensichtlich geringerem Wert veräussert, ohne sachlichen Grund anfallende Rechte ausschlägt oder auf Rechte unentgeltlich verzichtet, wird, wenn über ihn der Konkurs eröffnet oder gegen ihn ein Verlustschein ausgestellt worden ist, mit Gefängnis bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft.

Misswirtschaft
Im Falle, dass schon vor Corona vermutungsweise eine Überschuldung vorlag und im Frühjahr trotzdem ein Covid-19-Kredit bezogen wurde, kommt folgende Regel zum Einsatz: Der Schuldner, der in anderer Weise als nach obigem Abschnitt, durch Misswirtschaft, namentlich durch ungenügende Kapitalausstattung, unverhältnismässigen Aufwand, gewagte Spekulationen, leichtsinniges Gewähren oder Benützen von Kredit, Verschleudern von Vermögenswerten oder arge Nachlässigkeit in der Berufsausübung oder Vermögensverwaltung, seine Überschuldung herbeiführt oder verschlimmert, seine Zahlungsunfähigkeit herbeiführt oder im Bewusstsein seiner Zahlungsunfähigkeit seine Vermögenslage verschlimmert, wird, wenn über ihn der Konkurs eröffnet wird, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft.

Unterlassung der Buchführung
Wenn eine Firma augenfällig ihrem Ende zusteuert, stellt sich die berechtigte Frage, warum mit der knappen Liquidität noch die Treuhand mit der Erstellung eines Zwischenabschlusses beauftragt werden sollte. Der Schuldner, der die ihm gesetzlich obliegende Pflicht zur ordnungsgemässen Führung und Aufbewahrung von Geschäftsbüchern oder zur Aufstellung einer Bilanz verletzt, so dass sein Vermögensstand nicht oder nicht vollständig ersichtlich ist, wird, wenn über ihn der Konkurs eröffnet wird, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.

Bevorzugung eines Gläubiger
Nach dem Ende der Geschäftstätigkeit muss weiter gelebt werden. Weil nicht alle mit dem Vermarkten von Immobilien neu starten können, liegt es auf der Hand, ein zweites Leben dort zu führen, wo der Unternehmer sich auskennt: In seiner angestammten Branche. Hier braucht er jedoch die Fortführung der Beziehung zu seiner zuverlässigen Stammlieferantenschaft. Auch hier liegt es auf der Hand, mit den knappen verfügbaren finanziellen Mitteln vor dem Konkurs die strategisch wichtigen Lieferanten zu bezahlen. Oder seinen Familienmitgliedern ihr Darlehen zurückzuführen. Beides fällt unter dem Tatbestand der Gläubigerbevorzugung.

Die psychischen Schmerzen bei einem Konkurs sollten genügen und irgendwann ein Ende finden. Unnötig ist daher eine Jahre dauernde strafrechtliche Verfolgung. Besprechen Sie sich unbedingt mit einem Juristen.

Admin - 18:42 @ Allgemein | Kommentar hinzufügen